Start

Helmut Debus

Biografie

Diskographie

Aktuelle Presse

Pressestimmen (1)

Pressestimmen (2)

Aktuelle Info´s

Die neue CD

Konzerttermine

Photogalerie

Bestellung/Kontakt

Liedtexte

Impressum

Links

Pressestimmen
 
 
 
Aus FOLKER!  Ausgabe 5.05
______________________________________________________________________________________________________
 
Songwriter von internationalem Format
HELMUT DEBUS
30 Jahre plattdeutsche Songpoesie                                                                                       von Michael Tiefensee
 
Vor 30 Jahren, als die deutsche Folkszene von Musikern wie Fiedel Michel, Zupfgeigenhansel oder Hannes Wader dominiert wurde, entstand parallel im Nordwesten Deutschlands etwas Neues, das musikalisch zunächst zwar noch hörbar von irischer und schottischer Folkmusik beeinflusst war, das allerdings schon bald einen sehr eigenen und unverwechselbaren Ausdruck erhielt. Mit zeitgemäßen "Songs op platt", mit Liedern in plattdeutscher Sprache, die anfangs noch gemeinsam mit dem Jeveraner Dichter Oswald Andrae entstanden, betrat Helmut Debus ab 1975 die Bühnen, ohne dabei jemals in die Nähe jener "Heimatsänger" zu geraten, die sich auch heute nach wie vor mit volksdümmlichen Liedern präsentieren, die oft noch flacher sind als der Norden Deutschlands.
 
Mittlerweile hat der heute 56-jährige Sänger und Poet aus der Wesermarsch wohl einige hundert Male geduldig die Frage beantwortet, warum er denn seine Texte ausgerechnet in plattdeutscher Sprache verfasst und singt. In einer Sprache also, die Debus zufolge "in den letzten Atemzügen liegt - und die kaum jemanden noch interessiert, höchstens in Form von Folklorekitsch, Nostalgiedöntjes oder Schlagerkram". Debus´Songs werden indes nicht nur längst von Songwriterkollegen wie Hugh Blumenfeld, Dick Gaughan oder Jack Hardy sehr geschätzt, sondern sie sind inzwischen auch Studienopbjekt an einer Universität im amerikanischen Berkeley, wo ein Professor die Besonderheiten dieser Lieder seinen Studentinnen und Studenten in Seminaren vermittelt.
 
Längst gilt Helmut Debus denn auch als Singer/Songwriter von internationalem Format, der mit seiner "Universalsprache" (O-Ton Debus)
fernab aller Modeerscheinungen ein zwar treues und immer wieder auch neues Publikum erreicht, das allerdings zahlenmäßig wohl kaum den Quotenvorstellungen der meisten Plattenfirmen entsprechen dürfte. Nach seinem anhand solcher Wertmaßstäbe ausbleibenden "Erfolg" gefragt, antwortet Debus denn auch ebenso klar wie seinem Selbstverständnis entsprechend: "Ich habe mich noch nie nach etwas gestreckt, nie irgendwo mitgemacht beim allgemeinen Klinkenputzen. Ich bin Dissident. Ich weiche ab. Kein Heiliger oder besonders charakerstark. Es ist mein psychischer Instinkt, der mich nicht ´mitmachen´ lässt. Diese Erfolgs- und Geldgesetze. Ich würde krank werden davon."
 
Plattdeutsch: Sprachliches Widerstandsnest in einer immer kälter werdenden Welt
Dabei wird Debus von der Kritik schon seit langem als herausragender Songpoet gewürdigt, dessen Werk bereits 1989 mit dem Bad-Bevensen-Preis, später mit dem Niedersächsischen Künstlerstipendium und dem Niederdeutschen Lieraturpreis der Stadt Kappeln
ausgezeichnet wurde. Nach wie vor ist er gern gesehener Gast auf Konzertbühnen sowie bei Rundfunk- und Fernsehsendern. Und mehr denn je geht es Helmut Debus vor allem darum, wahrhaftig und in der Sprache sp präzise wie möglich zu sein: "Vertellen, wat mien Meenen is" - "Erzählen, was ich denke und fühle" - ein Grundanliegen, das er in seinen Liedern seit seiner ersten, 1976 erschienenen LP Wo ik herkam immer wieder vermittelt hat. Plattdeutsch war und ist ihm denn auch ein "sprachliches Widerstandsnest in einer immer kälter werdenden Welt", die obendrein immer schneller zu werden scheint.
Wohl auch deshalb verweigert er beständig scheinbar selbstverständliche und manchem nahezu lebensnotwendige Accessoires wie SMS, Fax oder Internet. Folglich hat im Hause Debus immer noch kein "moderner Apparat" (Debus) das gute alte Telefon mit Wählscheibe ersetzt, und auch beim Unterwegssein in der Wesermarsch kommt Debus bestens ohne Handy aus. Stattdessen vertraut er im Zweifelsfall auf einen guten Füllfederhalter und anständiges Briefpapier, ansonsten gilt das gesprochene Wort, am besten Auge in Auge.
 
Wer jemals die Freude hatte, mit Debus zusammenzusitzen, weiß, welch großartiger Erzähler er ist, belesen und anekdotenkundig, immer mit Esprit und Humor und mit viel Phantasie. Aus der Fähigkeit, Phantasie zu entwickeln und Dinge aus einer eigenen Perspektive zu berachten, entstanden in den letzten 30 Jahren immer wieder wunderbare Wortschöpfungen und Sprachbilder, die neben feinsinniger Beobachtungsgabe und oft bewusst in Moll gehaltener Grundstimmung kennzeichnend für viele Debus-Songs sind.
Nicht immer stieß Debus damit auf Zustimmung vermeintlicher Anwälte der niederdeutschen Sprache. Doch "auch die plattdeutsche Sprache muss lebendig sein, sie ist keine heilige Kuh", meint Debus, dem gerade beim Schreiben "die militanten Mundartforscher und efeuberankten Traditionalisten völlig egal" sind, wie er bereits 1989 in einem Gespräch mit Peter K. Kirchhof anlässlich der Veröffentlichung seines ersten plattdeutschen Liederbuches (Mien plattdüütsch Singbook) bekannte.
 
Neue CD zum Jubiläum
Und so entstanden pünktlich zum 30-jährigen Bühnenjubiläum auch für die neue CD Steern un Stroom wieder "Segelblomenblaue Leeder", die vom "Flamingoregenbogen", vom "Makrelenheben" und von der "Sunnenwatersee" erzählen. Und abermals unterstreichen diese sehr persönlichen und melodischen Lebens- und Liebeslieder, die ohne jede Gefühlsduselei wunderbar melancholisch sind, den herausragenden Stellenwert des Songwriters und Sängers Helmut Debus. Nur wenige andere bieten solche gehaltvollen Lieder, die einem oft schon beim ersten Hören wie Nachrichten eines guten Freundes vorkommen und die bisweilen tatsächlich so klingen "als säße man am Strand und schaute zu, wie die Wellen vor- und zurückfließen, wie das Wasser langsam näher kommt".
Diese Einschätzung eines Fans darf nicht darüber hinwegtäuschen, aus welchem Quell letztlich viele der Songs von Debus gespeist sind. "Die Wurzel meiner Lieder ist die tiefe Traurigkeit darüber, dass die Welt so ist, wie sie nun mal ist bzw. gemacht worden ist", stellte Debus vor längerer Zeit bereits heraus, ohne jeden Pessimismus und ohne jeden Zweifel daran, dass er dieses Leben "dat groote Leben" - wie es in einem seiner neuen Lieder heißt, trotz alledem liebt. Denn, so Debus: "Jeder Tag oberhalb der Erde ist ein Gewinn - un doot sünd wi noch lang genoog!" Zentrum seines Lebens ist denn auch seine Familie, "alles dreht sich darum, erst dann kommen meine Arbeit, Auftritte usw.". Fernab jeder "Szene" hat Helmut Debus seit vielen Jahren in Brake sein Zuhause, im eigenen Haus direkt am Weserdeich mit Blick auf den großen "Stroom", mit dem er schon als kleiner Junge Freundschaft schloss. Dort genießt er bei einem guten Glas Rotwein und umgeben von einer stattlichen Bibliothek gerne Musik von Bach und aus Opern - sowie immer noch und immer wieder auch von Bob Dylan, für Debus "die Stimme, die mich ganz tief drinnen erreicht, nachdem sie über die hohen Mauern einer Tuberkuloseanstalt geflogen ist". Und nicht zu vergessen: Leonard Cohen, bei dessen raren Deutschlandtourneen Debus früher gerne der Wesermarsch für ein paar Tage Adieu sagte, um irgendwo zwischen Hamburg und München Konzerte des großen Kanadiers zu erleben. Denn "die haben reinigende Kraft, wie eine Messe".
 
Friends - Frünnen
Die Ernsthaftigkeit einer solchen Wertschätzung, aber auch die Vorliebe für wache Mondnächte, Poesie und schöne Melodien eint ihn mit seinem englischen Songwriter- und Musikerkollegen Allan Taylor. Seit 1987 verbindet sie eine in einer Bremer Eckkneipe begründete Freundschaft, die sie immer wieder auch für gemeinsame Tourneen zusammenführt. Mittlerweile konnten viele Fans diese beiden "Friends - Frünnen" auf großen und kleinen Konzertbühnen sowie in auserwählten Kirchen erleben und erfahren, wie selbstverständlich Plattdeutsch und Englisch sich miteinander vertragen - und gelegentlich auch sprachlich hörbar nahe kommen. Allan Taylor ist auch auf den letzten CDs von Debus stets als Gast dabei gewesen. So auch bei einem Stück auf dem neuen Album, auf dem Debus die Liebe als zentrales Thema so
ausdrucksstark und wahrhaftig besingt wie kaum ein anderer. Und wieder mal wird erlebbar, warum solche "dunkelbunten" Lieder von vielen längst als Bestandteil des eigenen Lebens, als zuverlässige Wegbegleiter, manchmal auch als Trost empfunden werden. Steern un Stroom wurde in Bremen mit Violoncello, Akkordeon und Gitarren wunderbar sparsam arrangiert, und zum Ende des mehr als einstündigen Albums gibt es noch eine gemeinsame Liveaufnahme mit Allan Taylor, quasi als krönender Abschluß und zugleich als Vorgeschmack auf ein irgendwann wohl kommendes und von ihren Fans längst erwartetes gemeinsames Album.
Bis dahin erfreuen wir uns an den alten und neuen Liedern von Helmut Debus - und gratulieren mit einem guten Roten herzlich zum 30-jährigen Jubliläum!
 
 
 
 
 
 
 
[Helmut Debus] [Biografie] [Diskographie] [Aktuelle Info´s] [Die neue CD] [Konzerttermine] [Bestellung/Kontakt]